Vorbemerkungen

Das Wärmebild-Beobachtungsgerät (M6 Pro) wurde mir von der Firma Zentron für Testzwecke zur Verfügung gestellt. Ich hatte die Möglichkeit, das M6 Pro ein halbes Jahr lang zu testen. Die nachfolgenden Ausführungen spiegeln unabhängig davon meine persönlichen Eindrücke und Erfahrungen wider. Der Bericht wurde nicht mit der Firma Zentron abgestimmt. Geschäftliche Beziehungen bestehen in diesem Zusammenhang ebenfalls nicht.

Zentron als Hersteller

Die Firma Zentron ist bereits seit geraumer Zeit auf dem Markt, fristet in Deutschland und Europa bislang jedoch noch ein gewisses Schattendasein. Anfangs wurden die Produkte hierzulande exklusiv über den Adapter- und Schalldämpferhersteller EP Arms vertrieben, inzwischen hat Seven Oaks den Vertrieb übernommen. In den USA hingegen genießt Zentron bereits einen deutlich höheren Bekanntheitsgrad als so mancher Wärmebildhersteller, der sich auf dem europäischen Markt längst fest etabliert hat. Ein Blick in die sozialen Medien vermittelt davon einen recht guten Eindruck. Gerade auf Instagram finden sich zahlreiche Videos aus der amerikanischen Jagdpraxis, in denen Zentron-Geräte beim dort populären Hog Hunting zum Einsatz kommen. Auch auf der SHOT Show in Las Vegas war die Marke entsprechend präsent und unterstrich damit, welchen Stellenwert der US-amerikanische Markt für den Hersteller inzwischen einnimmt.

Hintergrund des Tests

Da ich bereits das Zentron ZEN C50 Wärmebildvorsatzgerät testen durfte (siehe Geartester-Bericht vom 31.03.2025) und es mir anschließend sogar privat gekauft habe, um daraus eine möglichst leichte Pirsch-Kombination zu bauen (siehe Geartester-Bericht des Monats vom 11.10.2025), war Zentron für mich natürlich kein unbeschriebenes Blatt mehr. 

Auf der diesjährigen IWA in Nürnberg führte mich mein Weg deshalb auch am Zentron-Stand vorbei. Dort fiel mir ziemlich schnell das M6 Pro ins Auge. Das M6 Pro ist ein Wärmebild-Beobachtungsgerät mit Wechselobjektiven und integriertem Laserentfernungsmesser. 

Wärmebild-Beobachtungsgeräte mit Wechselobjektiven gibt es doch längst! Ja, das ist grundsätzlich richtig. Wer hier beispielsweise an die Pulsar-Telos-Reihe denkt, liegt damit nicht falsch. Allerdings lässt sich der Objektivwechsel dort nicht mal eben selbst erledigen. Für den Umbau muss das Gerät zum Hersteller beziehungsweise zu einem entsprechenden Service-Point eingeschickt werden. Kurz vor dem Ansitz noch schnell das Objektiv wechseln, weil heute andere Bedingungen herrschen oder spontan eine Jagdeinladung ansteht, ist damit also nicht möglich. Andere Wärmebildgeräte, wie beispielsweise das InfiRay Zoom oder das ThermTec Wild 650D, gehen mit ihrem Dual-Linsensystem einen anderen Weg. Hier stehen zwar unterschiedliche Brennweiten direkt im Gerät zur Verfügung, allerdings bringt diese Bauweise naturgemäß auch entsprechende Abmessungen und zusätzliches Gewicht mit sich. Und genau hier wurde das Zentron M6 Pro für mich interessant: Ein kompaktes Handgerät mit integriertem Laserentfernungsmesser, das problemlos in die Hosentasche passt, mit einem 640er-Sensor ausgestattet ist und gleichzeitig mit wechselbaren 25-, 35- und 50-mm-Objektiven daherkommt, war zumindest für mich neu. 

Und wie das mit interessantem neuen Jagdspielzeug nun einmal so ist: Nur anschauen ist irgendwie unbefriedigend. Also habe ich kurzerhand vor Ort gefragt, ob ich das M6 Pro nicht einmal ausführlich unter jagdlichen Praxisbedingungen testen dürfte. Schließlich ist ein Testgerät die deutlich billigere Variante, um neues Jagdspielzeug ausgiebig auszuprobieren und bekanntlich kommt das nicht nur dem Kontostand, sondern in der Folge auch dem familiären Frieden zugute. Die Anfrage wurde erfreulicherweise direkt bejaht und schon kurze Zeit später hatte ich das M6 Pro zum ausgiebigen Kennenlernen bei mir. Mein Testgerät kam in der TAN-Variante, also in sandfarben. Wer es lieber klassisch und unauffällig mag, greift dagegen einfach zur schwarzen Version. Technisch unterscheiden sich die beiden Varianten natürlich nicht.

Das M6 Pro mit Wechselobjektiven
Das M6 Pro mit Wechselobjektiven


Es war damit Zeit herauszufinden, ob das interessante Konzept auch draußen im Revier überzeugen kann. Denn gerade in meinem gepachteten Revier ändern sich die Anforderungen im Laufe des Jagdjahres deutlich. Im Winter bin ich viel auf den Wiesen unterwegs und pirsche dort gerne mit einem möglichst großen Sehfeld, entsprechend komme ich mit einem 25mm Objektiv am besten zurecht. Im Sommer verlagert sich die Jagd dagegen zunehmend auf die Felder. Die Entfernungen werden größer und damit greife ich deutlich lieber zu 35 oder sogar 50mm Brennweite. Statt dafür mehrere Geräte vorzuhalten (aktuell nutze ich ein HIKMICRO FQ25 in Kombination mit einem Habrok HQ35L) fand ich die Vorstellung durchaus charmant, künftig mit nur einem Handgerät auszukommen und dieses je nach Revier, Jahreszeit und jagdlicher Situation einfach mit dem passenden Objektiv auszustatten.

Technische Details

Das M6 Pro hat folgende wesentliche Spezifikationen:

  • Sensor: 640x512 
  • Objektiv: 25 , 35 & 50mm (F1.0)
  • 25mm: 1,4x Vergrößerung, 35mm: 1,9x Vergrößerung & 50mm: 2,1x Vergrößerung
  • Pitch: 12μm
  • Bildrate: 50Hz
  • OLED Bildschirm in 1920x1080
  • NETD: ≤18mk
  • Laserentfernungsmesser bis 1.200m
  • IP 67 Schutz
  • Akku/Batterie: 1x 18650 (ca. 7 Stunden Laufzeit) 
  • USB-C-Schnittstelle 
  • Gewicht: 330 bis 370 Gramm, je nach Objektivwahl
     

Die technischen Daten zeigen schnell, dass Zentron das M6 Pro in der Premiumklasse der Wärmebild-Beobachtungsgeräte positioniert. Besonders die Möglichkeit, handelsübliche 18650-Akkus zu verwenden, gefällt mir und sorgt im jagdlichen Alltag für ein ordentliches Plus an Flexibilität. Mit gerade einmal 330 Gramm inklusive 25mm Objektiv gehört das M6 Pro zudem sicherlich zu den leichteren Vertretern seiner Klasse. Das ist zumindest ein Punkt, den man gerade auf längeren Pirschgängen schnell zu schätzen weiß.

Lieferumfang

Das M6 Pro kommt zunächst recht unspektakulär daher. Statt aufwendig gestalteter Verpackung erwartet einen ein schlichter Pappkarton, in dem sich das Wärmebild-Beobachtungsgerät befindet. Die drei Wechselobjektive sind separat und gut geschützt in einer weiteren Pappverpackung untergebracht. Zum Lieferumfang gehören außerdem ein USB-C-Ladekabel, zwei 18650-Akkus sowie eine passende Tasche samt Trageriemen. Besonders gut gefällt mir, dass die Tasche zusätzlich über eine MOLLE-Aufnahme verfügt. Hier hat tatsächlich jemand mitgedacht! Wow! Dadurch lässt sich das M6 Pro nicht nur klassisch am Riemen tragen, sondern die Tasche auch problemlos an anderer Ausrüstung befestigen. In meinem Fall ließ sie sich hervorragend an meinen Vorn-Rucksack adaptieren.

Six Months with the Zentron M6 Pro: Geartester Review
Six Months with the Zentron M6 Pro: Geartester Review
Auslieferung des M6 Pro
Auslieferung des M6 Pro

Verarbeitungsqualität

Die Verarbeitungsqualität des M6 Pro ist sehr gut und erinnert mich direkt an das damals von mir getestete ZEN C50. Auch hier bewegt sich Zentron meiner Meinung nach klar in der Premiumklasse. Das Gehäuse besteht aus Magnesium, nichts klappert oder wirkt billig und sämtliche Bedienelemente vermitteln einen hochwertigen und robusten Eindruck. Die Objektivschutzklappe wird magnetisch am Gehäuse gehalten und bleibt dadurch im geöffneten Zustand sauber an ihrem Platz. Eine kleine, aber im jagdlichen Alltag durchaus praktische Lösung, die verhindert, dass die Klappe beim Pirschen oder Beobachten unnötig herumbaumelt. Das Prinzip kannte und schätzte ich bereits von meinen Pulsar-Wärmebildgeräten und ist unkompliziert gut.

Besonders gut gefällt mir der Kippschalter mit den drei klar definierten Positionen Off, Standby und On. Dieser lässt sich auch bei völliger Dunkelheit problemlos ertasten und bedienen. Ich bin generell ein großer Freund einer haptischen Rückmeldung. Gerade beim Pirschen möchte ich schließlich wissen, in welchem Betriebszustand sich mein Gerät befindet, ohne erst aufs Display schauen zu müssen. Auf automatische Standby-Funktionen verlasse ich mich dagegen eher ungern. Wer das allerdings anders sieht, muss darauf beim M6 Pro nicht verzichten. In den Einstellungen lässt sich zusätzlich ein sogenannter „Autoschlaf-Modus“ aktivieren, der diese Aufgabe auf Wunsch automatisch übernimmt.

Kippschalter am M6 Pro
Kippschalter am M6 Pro

Die Scharfstellung des Bildes erfolgt ganz klassisch über den Fokusring am Objektiv. Dieser lässt sich sauber bedienen und ermöglicht eine schnelle und präzise Anpassung an die jeweilige Beobachtungsentfernung. Das funktioniert unkompliziert und einwandfrei.

Auf der Oberseite des M6 Pro befinden sich drei übersichtlich angeordnete Bedientasten:

  • Camera Button = Kurzes Drücken = Screenshot; langes Drücken = Videoaufnahme
  • M = Öffnet bei langem Drücken das Einstellungsmenü
  • Laser-Entfernungsmessung / Zoom = Kurzes Drücken = Laser-Entfernungsmessung; langes Drücken = Digitaler Zoom

Die Bedientasten sind haptisch gut voneinander getrennt und lassen sich auch bei Dunkelheit sowie mit Handschuhen problemlos ertasten und bedienen. Gerade in der jagdlichen Praxis gefällt mir das deutlich besser als eine Vielzahl ähnlich geformter Tasten, bei denen man erst überlegen muss, wo der Finger gerade gelandet ist.

Oberseite des M6 Pro
Oberseite des M6 Pro

Neben der inzwischen obligatorischen USB-C-Schnittstelle verfügt das M6 Pro auch über einen integrierten Laserentfernungsmesser. Ein solches Feature findet sich mittlerweile bei vielen Wärmebild-Beobachtungsgeräten und gehört für mich persönlich fast schon zum Standard. Gerade bei Dunkelheit können Entfernungen bekanntlich schnell täuschen, weshalb ich die Möglichkeit sehr schätze, mit einem kurzen Knopfdruck Gewissheit zu haben. Besonders beim Ansprechen und Einschätzen von Wild ist der Entfernungsmesser für mich daher ein Ausstattungsmerkmal, auf das ich nur ungern verzichten möchte.

Seitenansicht des M6 Pro
Seitenansicht des M6 Pro

An der Unterseite des M6 Pro befindet sich die obligatorische 1/4-Zoll-Gewindeaufnahme. Darüber lassen sich beispielsweise entsprechende Tragegurte oder anderes Zubehör befestigen. Keine große Besonderheit, aber ein praktischer Standard.

Unterseite des M6 Pro
Unterseite des M6 Pro

Der 18650-Akku sitzt hinter einem verriegelbaren Batteriedeckel, der sich mit wenigen Handgriffen öffnen lässt. Die korrekte Polung ist direkt am Gehäuse eingraviert, zusätzlich verfügt das M6 Pro über einen Verpolungsschutz. Ein versehentlich falsch eingesetzter Akku sollte damit also kein Problem darstellen. Besonders wichtig ist für mich: Der Akkuwechsel funktioniert auch im Dunkeln problemlos. Die Verriegelung wird einfach am Gehäuse aufgedreht, der alte Akku entnommen und der neue eingeschoben. Anschließend den Deckel wieder schließen und verriegeln. Fertig! Das Ganze lässt sich weitgehend „blind“ erledigen, ohne erst mit der Taschenlampe im Mund hantieren zu müssen.

Batteriefachdeckel des M6 Pro
Batteriefachdeckel des M6 Pro

Der Objektivwechsel

Kommen wir nun zum Kernthema und für mich zur eigentlichen Besonderheit des M6 Pro: Wie funktioniert der Objektivwechsel in der Praxis? Die kurze Antwort: Es ist so einfach, dass der Wechsel vermutlich schneller erledigt ist, als dass ich diese Zeilen darüber schreiben kann. Denn Werkzeug wird dafür erfreulicherweise nicht benötigt. Das aktuell montierte Objektiv wird einfach (dauert etwas) herausgeschraubt und gegen das gewünscht Objektiv eingeschraubt, vergleichbar mit einem Objektivwechsel an einer Spiegelreflexkamera. 

Ein wenig Sorgfalt sollte man beim Objektivwechsel natürlich trotzdem walten lassen. Mit dreckigen oder gar blutigen Händen würde ich den Wechsel nicht unbedingt mitten im Revier durchführen. Klinische Raumbedingungen braucht es allerdings ebenso wenig. Genau über diesen Punkt hatte ich mich bereits auf der IWA mit dem Personal am Zentron-Stand unterhalten. Der Sensor des M6 Pro ist zusätzlich geschützt beziehungsweise beschichtet und soll sich im Fall der Fälle vorsichtig mit einem geeigneten Brillenputztuch reinigen lassen. Gleiches gilt für die Wechselobjektive. Man muss den Objektivwechsel also nicht mit Samthandschuhen angehen, ein vernünftiger Umgang mit der Optik versteht sich aber von selbst. In der Praxis habe ich es ohnehin etwas anders gehandhabt: Vor dem Ansitz oder der Pirsch habe ich mich je nach Revierverhältnissen für die passende Brennweite entschieden und das Objektiv noch zu Hause am Schreibtisch gewechselt. Der Zeitaufwand? Keine 60 Sekunden. 

Mit dem Wechsel der Objektive verändert sich natürlich auch die jeweilige Grundvergrößerung des M6 Pro: Mit dem 25mm Objektiv liegt sie bei 1,4-fach, mit dem 35mm Objektiv bei 1,9-fach und mit dem 50mm Objektiv bei 2,1-fach. 

Objektivwechsel
Objektivwechsel
25mm, 35mm und 50mm mit den jeweiligen Grundvergrößerungen im Vergleich
25mm, 35mm und 50mm mit den jeweiligen Grundvergrößerungen im Vergleich

Bildqualität

Die Bildqualität des M6 Pro hat mich im Test überzeugt und ist auch bei widrigeren Wetterbedingungen wie Regen oder Nebel auf einem sehr guten Niveau. Als direkte Referenz konnte ich meine beiden HIKMICRO-Geräte heranziehen, die ebenfalls mit 640er-Sensoren ausgestattet sind. Im direkten Vergleich muss sich das Zentron vor den etablierten großen Playern keineswegs verstecken.

Unterschiede zeigten sich allenfalls bei schwierigeren Witterungsbedingungen und selbst dann waren sie eher gering. Je nach Wetterlage hatte mal das Zentron, mal eines der HIKMICRO-Geräte minimal die Nase vorn. Einen eindeutigen Sieger konnte ich hier nicht ausmachen. Für mich ein gutes Zeichen, denn letztlich zeigt es, auf welchem Niveau sich das M6 Pro bei der Bilddarstellung bewegt.

Die Auswahl an Farbpaletten ist erfreulich groß. Praktischerweise lassen sich im Menü die persönlichen Favoriten festlegen, sodass man sich im jagdlichen Alltag nicht jedes Mal durch sämtliche Varianten klicken muss. Da ich ohnehin fast ausschließlich White Hot und Black Hot nutze, waren dies auch während meines Tests die mit Abstand meistgenutzten Farbpaletten. Interessant fand ich allerdings den ebenfalls verfügbaren Modus „Grün Weiß“. Gerade bei längerer Beobachtung in der Nacht empfand ich die grünliche Darstellung subjektiv als angenehm und vergleichsweise augenschonend.

Das sichere Ansprechen von Wild war mit allen drei Objektiven gut möglich, wobei die jeweilige Brennweite natürlich ihre Stärken in unterschiedlichen Situationen ausspielt. Auf größere Entfernungen bietet das 50mm Objektiv erwartungsgemäß deutliche Vorteile gegenüber der 25mm Variante. Umgekehrt punktet das 25er mit seinem großen Sehfeld auf kürzere Distanzen. Gerade für die sogenannte „Gummi-Pirsch“ (so umstritten diese Form der Revierkontrolle teilweise auch sein mag) finde ich das 25mm Objektiv ausgesprochen praktisch. In meinem Revier bietet es sich beispielsweise an, von der Bundesstraße aus kurz einen Überblick über die angrenzenden Felder zu bekommen. Hier spielt das große Sehfeld des 25ers seine Vorteile voll aus.

Nachfolgend noch einige Impressionen, die unter normalen Witterungsbedingungen entstanden sind. Dabei sollte man berücksichtigen, dass die Aufnahmen die tatsächliche Darstellung nur bedingt wiedergeben können. Direkt im Gerät wirkt das Bild noch einmal etwas besser als auf den gespeicherten Fotos beziehungsweise Videos.

https://youtu.be/GBpfmgReWZ4

M6 Pro Bildqualität: 25mm Objektiv, 1,4-fache Vergrößerung (ideal für Wald und Pirsch) 

https://youtu.be/KbmVNSFs2FU

M6 Pro Bildqualität: 35mm Objektiv, 1,9-fache Vergrößerung („Allrounder-Objektiv“) 

https://youtu.be/u1mKGTX3yhs

M6 Pro Bildqualität: 35mm Objektiv, 1,9-fache Vergrößerung, Rehwild auf 55m

https://youtu.be/Lcn581Homlw

M6 Pro Bildqualität: 35mm Objektiv, 1,9-fache Vergrößerung, Schwarzwild auf 80m

M6 Pro Bildqualität: 35mm Objektiv, 1,9-fache Vergrößerung
M6 Pro Bildqualität: 35mm Objektiv, 1,9-fache Vergrößerung

Ebenfalls mit an Bord ist ein integrierter Ballistikrechner. Hinterlegt man die entsprechenden Munitions- und Ballistikdaten (in meinem Fall die Daten meiner selbst wiedergeladenen Munition), zeigt das M6 Pro nach der Entfernungsmessung direkt die berechnete Geschossabweichung sowohl in MOA als auch in Zentimetern an. Auf den eingebundenen Videos lässt sich das gut erkennen. Das finde ich im Übrigen in der Praxis ausgesprochen hilfreich. Denn nicht nur auf große Entfernungen spielt die Geschossflugbahn eine Rolle: Gerade auf sehr kurze Distanzen kann der Treffpunkt bei einer auf 100 Meter eingeschossenen Waffe deutlich tiefer liegen. Und wer nachts auf der Pirsch unterwegs ist, weiß, dass man sich im Eifer des Gefechts bei Entfernung und Haltepunkt durchaus einmal verschätzen kann. Der eine oder andere Nachsuchenführer dürfte davon vermutlich ein Liedchen singen können.

Das häufig gehörte Argument „So etwas brauche ich nicht, ich kenne schließlich mein Revier“ lasse ich daher nur bedingt gelten. Den Spruch kennt vermutlich jeder, meistens kurz bevor aus geschätzten 80 Metern auf einmal doch nur 30 werden. Gerade auf den vermeintlich einfachen, kurzen Distanzen kann das Auge nachts erstaunlich großzügig schätzen. Wenn das M6 Pro die Entfernung ohnehin per Laser misst und mir anschließend direkt die passende ballistische Korrektur mitliefert, nehme ich diese kleine mathematische Nachhilfestunde gerne an. Besser das Gerät rechnet einmal zu viel, als dass der Nachsuchenführer später vorrechnet, wo man eigentlich hätte anhalten sollen.

M6 Pro Ballistik-Daten (Beispiel)
M6 Pro Ballistik-Daten (Beispiel)

Eine praktische Funktion ist zudem die geräteinterne Medienwiedergabe. Aufgenommene Fotos und Videos lassen sich direkt auf dem M6 Pro ansehen und verwalten, ohne dafür erst das Smartphone bemühen zu müssen. Diese Funktion kenne ich bereits von meinen HIKMICRO-Geräten und habe sie dort sehr zu schätzen gelernt. Gerade im Revier finde ich es ausgesprochen praktisch, eine Aufnahme direkt noch einmal ansehen und eine beobachtete Situation kontrollieren zu können, ohne erst das Smartphone aus der Tasche holen und eine Verbindung zum Gerät herstellen zu müssen.

Das M6 Pro lässt sich über die integrierte WLAN-Schnittstelle mit der ZEN LINK App verbinden. Die Verbindung funktionierte während meines Tests schnell und zuverlässig. Über die App steht unter anderem eine Live-View-Funktion zur Verfügung, außerdem können aufgenommene Fotos und Videos bequem auf das Smartphone übertragen werden. Auch Firmware-Updates lassen sich auf diesem Weg unkompliziert durchführen.

Fazit

Unterm Strich hat mich das Zentron M6 Pro rundum überzeugt. Die sehr gute Verarbeitung, die überzeugende Bildqualität, der integrierte Laserentfernungsmesser und natürlich insbesondere das Konzept der schnell und werkzeuglos wechselbaren Objektive ergeben ein Gesamtpaket, das in der Praxis einfach Spaß macht. Gerade die Möglichkeit, mit 25, 35 und 50mm gleich drei unterschiedliche Brennweiten mit nur einem Handgerät abzudecken, ist für mich der eigentliche Clou des M6 Pro. 

Auch beim Preis-Leistungs-Verhältnis gibt es wenig zu meckern. Oder etwas weniger vornehm ausgedrückt: Hier bekommt man ziemlich viel „Bang for the Buck“. Und das ist toll! Hätte ich nicht bereits meine beiden HIKMICRO-Geräte, wüsste ich ziemlich genau, welches Wärmebildgerät jetzt in meinem Warenkorb liegen würde. So wird es allerdings schwierig, meiner Frau die Neuanschaffung schlüssig zu begründen, insbesondere dann, wenn man den finanziellen Verlust beim Verkauf der vorhandenen „Altgeräte“ mit in die Rechnung einbezieht. Manchmal steht dem Haben-wollen eben nicht die Technik, sondern die heimische Finanzaufsicht im Weg.

Positiv zu erwähnen ist außerdem die Garantiezeit von insgesamt 3,5 Jahren. Zentron gewährt auf das M6 Pro regulär drei Jahre Garantie, die sich durch eine Registrierung des Gerätes um weitere sechs Monate verlängern lässt. Gerade bei einem technisch aufwendigen und nicht ganz günstigen Wärmebildgerät ist eine solche Garantiezeit aus meiner Sicht ein durchaus erwähnenswerter Pluspunkt.

Wer meine bisherigen Testberichte kennt, weiß aber auch, dass bei mir nicht alles Gold ist, nur weil mir ein Testgerät zur Verfügung gestellt wurde. Meine Berichte werden nicht „abgestimmt“ und wenn mir etwas negativ auffällt, dann schreibe ich das auch. Vermutlich ist das meinem Hauptberuf geschuldet, der an dieser Stelle zum Glück weiterhin inkognito bleiben darf.

Also: Was gibt es beim M6 Pro zu kritisieren? Zum einen würde ich mir ein Shutterless-System, wie man es beispielsweise von den aktuellen 3.0-Geräten von HIKMICRO kennt, wünschen. Das bietet das M6 Pro leider nicht. Wer ausdrücklich komplett ohne die bekannten Kalibrierungsunterbrechungen waidwerken möchte, muss sich daher derzeit bei anderen Geräten umsehen. Der zweite Kritikpunkt betrifft die Einhändigkeit der Bedienung. Durch die kompakten Abmessungen lässt sich das M6 Pro bereits weitgehend gut mit einer Hand bedienen. Beim Fokussieren ist aber noch Luft nach oben. Andere Hersteller zeigen mit einem Fokussierrad in unmittelbarer Nähe zur Dioptrienverstellung, dass sich ein Wärmebildgerät noch konsequenter auf die einhändige Nutzung auslegen lässt. Gerade beim Pirschen, wenn die zweite Hand vielleicht am Pirschstock oder anderweitig beschäftigt ist, lernt man solche Kleinigkeiten schnell zu schätzen.

Das M6 Pro ist und bleibt aber ein kompaktes, hochwertig verarbeitetes und ausgesprochen vielseitiges Wärmebild-Handgerät, dessen Wechselobjektiv-Konzept in der Praxis tatsächlich einen echten Mehrwert bietet. Zentron liefert hier ein verdammt gutes Gesamtpaket ab!